Gestaltung und Zielsetzung

Unser Atem ist der stille Begleiter jeder Ich-Tätigkeit. Unterhalb der Bewusstseinsschwelle wirkt der Atem im Vegetativen ordnend, belebend und ausgleichend. In ihm liegen die heilenden Kräfte. Im Hintergrund steht unser Wesen. Dass wir diesen Tiefenatem entwickeln und ihn damit auch bewusst erleben können, hängt von der Ich-Tätigkeit ab: „Ich lasse den Atem kommen – ich lasse ihn zu – ich lasse ihn wieder gehen.“ Das heißt: es ist mir möglich, das Leibliche dem Atem wie ein Gefäß zur Verfügung zu stellen, oder die Bewegung zuzulassen. Ich kann auf meine Befindlichkeit antworten und mich mit dem, was mir begegnet, in ein Verhältnis bringen – das verändert den Atem.

Die Frage nach dem Urrhythmus wird jetzt möglich. „Welcher Rhythmus gehört zu mir? Wo entsteht die erste Bewegung? Was geschieht, wenn der Ausatem gegangen ist? Was sagt mir mein Leben jetzt?“ In der Atemruhe ist reines Da-Sein, der Atem selbst ist dabei nicht mehr wahrnehmbar. Er zieht sich in sich selbst zurück in einen Bereich, wo die Kräfte sich neu ordnen. Wir wissen nicht, was dort geschieht. Nun ist es gut, warten zu können auf den neuen Atemzug …

Während der bewusst wahrgenommene Atem zur äußeren Atmung gehört, gibt uns die Atembewegung die individuelle Antwort auf dieses Geschehen. In rhythmischem Ausdehnen und Zurückschwingen der Körperwände werden wir bewegt. Auch die Entwicklung des Empfindungsbewusstseins wird durch das Schulen einer differenzierten Wahrnehmung gefördert. Es ist der Atem selbst, der uns nun Gesetzmäßigkeiten offenbaren kann, die wir dann als zu uns gehörig auch erkennen. Dazu gehört die Frage nach dem Leben.

Das sensible Nervensystem ist wie ein inneres Kleid, das mich mit der Umwelt verbindet. Seelisch-geistig lerne ich durch Erfahrungen und antworte darauf. Wenn mir der Atem immer deutlicher zur Verfügung steht, kann ich mitgestalten oder Einfluss nehmen. Das schafft Sicherheit und Vertrauen, wie sie die Welt nicht geben kann. Ich bin bewegt und ich kann mich auch bewegen! Bewegungskräfte regen die Zirkulationen an und damit den Stoffwechsel. Jede muskuläre Bewegung ruft den Sauerstoff vor Ort. Jedes Organ hat seinen eigenen Rhythmus und auch die eigene Atemorganisation. Im Atem spüre ich jedoch, wie alles sich zu einem Ganzen fügt: „Das bin ich – ich bin da!“